Doppelstart-Wochenende Kulmbach + Ingolstadt

Wenn man den philosophischen Konzepten des Behaviorismus nach Watson glaubt wird der Mensch allein durch seine Umwelt geformt. Was das über Triathleten sagt wenn sie dabei auf die Idee kommen zwei komplette Wettkämpfe an nur einem Wochenende wären eine tolle Idee will ich gar nicht weiter ausarbeiten – aber ehe man sich versieht ist so eine Idee in der Welt und es finden sich Mitstreiter (Hi Alex!). Und plötzlich sitzt man Samstag früh um 6 im Auto nach Kulmbach…

Nach der Ankunft dort (gar nicht so einfach ohne funktionierendes Telekom-Netz) und dem Briefing für die Bayernliga fanden wir uns relativ schnell im Trebgaster Badesee wieder. Hier waren zwei Runden zu absolvieren, wobei ich mich bei der zweiten Runde in Alex‘ Wasserschatten festbeissen konnte (auch wenn die Atmung ob seines Beinschlags teilweise schwierig war). Zusammen mit Ihm und Basti, der kurz vor uns aus dem Wasser kam, ging es auf die Radstrecke, in Verfolgung von Vadim der den Schwimmpart etwas schneller hinter sich gebracht hatte. Nach ca. 15 Kilometern auf dem welligen Kurs hatte ich dann auch Vadim gestellt, und zusammen ging es (windschattenkonform, bevor jemand fragt) weiter in Richtung Wechselzone. Dabei unterlief mir allerdings ein Malheur, und nach der falschen Abbiegung fanden wir uns plötzlich auf der Strecke für die Mitteldistanz wieder. Mist – kurz nachfragen bei einem anderen Athleten, umdrehen, und zurück auf unsere Strecke.

Mit Wut im Bauch mussten jetzt Kurbel und Kette etwas leiden – ich legte einen hohen Gang auf und trat was möglich war. Manchmal hat so ein wenig mehr Adrenalin auch seine Vorteile. Aber das kann natürlich auch beim Laufen nachher nach hinten losgehen. Ging es zum Glück nicht, wie sich schon auf dem ersten Kilometer herausstellte – wenn man noch so einem Ritt mit knapp 38 km/h Durchschnitt noch mit 3:30min/km anlaufen kann ist alles im Lot. Das Tempo konnte ich zwar nicht ganz halten über die 10km, aber nach 37:09min war der Laufpart beendet und ich im Ziel.

Hier erfuhren wir dann erst dass der Wettkampf zwischenzeitlich aufgrund eines Unfalls auf der Radstrecke abgebrochen wurde und nach etwas Diskussion im Nachhinein wurde klar dass es heute keine Wertung im Rahmen der Bayernliga geben würde. Schade drum, aber aus menschlicher Sicht vertretbar. Ich hoffe der verunglückten Athletin geht es alsbald wieder besser – in solchen Situationen verlieren Zahlen und Plätze schnell an Bedeutung.

Nach dem Wettkampf ging es prompt nach Hause, aber hier wurde nicht wie sonst das ganze „Geraffel“ ausgepackt, sondern der Rucksack wurde wieder geschnürt, ein paar andere Klamotten aus dem Schrank gegriffen und am nächsten Morgen gab es ein komisches Deja vu als wir schon wieder (sogar noch früher) im Auto auf dem Weg zum Wettkampf sassen. Ziel war jetzt Ingolstadt, und hier wartete die doppelte Distanz von Samstag auf mich. Ein wenig mulmig war mir schon was die Beine sagen würden.

Schwimmen INDas Schwimmen war erstmal stressfrei, das sollten die Arme soweit hinbekommen. Nach etwas mehr als 32min für die 2km sass ich, wieder kurz hinter Alex, auf dem Rad. Hier waren 77km zu absolvieren, ein guter Teil davon mit Gegen- und Seitenwind. Nicht so wirklich motivierend, aber wenn man dann zum Ausgleich auch mal Rückenwind bekommt und mit 45 km/h auf der Ebene dahinrollen kann vergisst man sowas schnell wieder. Die Wetterprognosen motivierten nicht wirklich, aber ausser ein paar Tropfen wurden wir im ganzen Wettkampf von Regen und Gewitter verschont, was die Sache doch erträglich machte. Und freundlicherweise spielten auch die Beine mit so dass am Ende des Radparts wieder ein Schnitt über 37 km/h auf dem Tacho auftauchte. Da wäre vielleicht sogar noch mehr gegangen, wenn die Radstrecke nicht (aufgrund der anderen Wettkämpfe die parallel liefen) so voll gewesen wäre. Aber seis drum.

Laufen INJetzt blieben noch 20km rund um den Badesee in Ingolstadt (in punkto Namensgebung Ihrer Gewässer könnten bayerische Gemeinden ruhig auch mal etwas Kreativität an den Tag legen). Und, oh Wunder, auch hier ging es relativ problemlos los. Die 4:15er Pace fühlte sich gut an, die Anfeuerung vom Streckenrand tat Ihr Übriges, und ehe ich mich versah kam das Rennende näher. Hier wurde es dann zwar schon etwas zäh und auch die Brücke, die auf der Strecke aufgebaut wurden war hinterliess Ihre Spuren, aber nach 04:00:24h überquerte ich als 27. gesamt (5. AK) die Ziellinie. Jetzt hatte ich mir mein (alkoholfreies) Bier redlich verdient.

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die diesen Schmarrn mitmachen und mitgemacht haben. Insbesondere natürlich an meinen Schatz, die mit mir so früh aufsteht, durch die Gegend fährt und sich am Streckenrand die Seele aus dem Hals schreit. Danke an Alex, der auch wirklich jeden Mist mitmacht und der zwei tolle Wettkämpfe abgeliefert hat. Und natürlich auch danke an die Jungs vom Post SV Triathlon für eine klasse Teamleistung in Kulmbach und die ganzen Leute die ich am Wochenende um und auf den Wettkampfstrecken getroffen habe. Da merkt man schnell wieder welch geile Truppe doch diese vielzitierte Triathlonfamilie ist. Auch wenn sie, wenn man auf Watson zurückkommt, doch mal einen Blick auf Ihre Umwelt werfen sollte :)

PS: Einen speziellen Gruss an unseren Bruder im Geiste Falk, der am selben Wochenende ein ähnliches Experiment durchgezogen hat – nur dass er erst die Mitteldistanz in Moritzburg am Samstag und dann die olympische Distanz am Sonntag absolviert hat. Das tut sich auch g’scheid weh.

Ergebnisse Ingolstadt: http://abavent.de/anmeldeservice/123/750/ergebniss/3052/

 

 

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